190 km von Dresden nach Prag - der Laufbericht - Teil Zwei!

Kurz vor Küchenschluß kamen wir am IH Bohemia in Usti n. L. an. Die Begleitcrew war bereits vor Ort und Zimmer 925 war präpariert. Zimmer 925 war der vielelicht wichtigste Ort an diesem Abend. Dieses Zimmer wurde nämlich kurzerhand zum Physio-/Massagezimmer umgebaut. Manuela Hentschke vom Physio-Gesundheitszentrum Dresden und ihre Mitarbeiterin Christina kneteten was das Zeug hielt und so schafften wir auch noch Weg zum Abendessen ohne zu verkrampft auszusehen. An dieser Stelle ein dickes Danke im Namen aller Ultraläufer!

Das vorbestellte Abendessen nahmen wir dann zügig ein, denn das Frühstück war fűr den nächsten Tag fűr 5.00 Uhr angesagt...

Der zweite Tag:

Kurz nach 6.00 Uhr standen alle 9 Ultra's an der Startlinie. In Decin hatten sich am Vortag Jens Kafka, der sich bis dahin als Profi-Fotograf verdient machte und mein Kahnalege Uwe B., der uns als Schlußrad so nach hinten absicherte, verabschiedet. Der Rest war weiter dabei und ging gut gelaunt auf die Strecke.

Die Strecke vom Hotel zur Elbe verbuchen wir als Orientierungslauf, denn Usti sieht früh um 6 Uhr sieht ziemlich grau aus. Garmin half hier perfekt aus und nach einigen Minuten waren wir dann auf der offiziellen Laufroute des Ultralaufs Dresden-Prag 3.0. Ulf Kühne (www.east-run.de) hatte die Strecke etwas eingekürzt. Der Radweg 2 war uns zu lang. An einigen Stellen verliessen wir so R2 und bauten ein paar Trailelemente in die Strecke ein. Man gönnt sich ja sonst nichts...

Ab Km 35 fingen dann aber meine muskulären Probleme an. Ab hier merkte ich, dass es schwer wird. Meine Oberschenkel sagten nein, mein Kopf sagte ja. "Ruhe, Obeschenkel!", dachte ich - der Kopf hat recht! Aber die Oberschenkel waren laut, sehr laut...
Jetzt helfen nur noch Tricks. Also ging ich meine Motivationstrickkiste durch und fand schließlich die Lösung: Schlagermusik und ein gedanklicher Tanz mit Mausi (meine Ehefrau seit 20 Jahren). Leicht ungewöhnlich, aber "Positiv denken" war angesagt und was hilft einem mehr dabei als die eigene Frau...
"Vorwärts immer, Rückwärts nimmer", hat Honecker mal gesagt, zum 40. Jahrestag der DDR. Mich wird er damit nicht gemeint haben! Und überhaupt wollte ich für die 190 km so lange auch nicht benötigen. Aber Vorwärts muss es gehen, alles andere ist keine Option. Also positiv denken, alles wird gut!.

An den VP's standen meine Kinder immer freundlich, immer gut gelaunt. Obwohl es ja ihre Ferien waren und die Tage anstrengender als in der Schule waren. Leonie machte sich verdient als "Winkerin". Sie nutze ihr Crew T-Shirt als Fahne. Das gab mir Antrieb weiter zu laufen. Mein große Tochter Linda stand stets parat mit ihrem Fotoapparat. Das Lächeln fiel mir schon etwas schwer, aber ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen.

Am nächsten VP (kurz vor Melnik) war dann aber erstmal Schluss für mich, ich beschloss neben Reiner Mehlhorn und Ulf Kühne erstmal auszusteigen. Kopfziel war die letzten 5 km vor Prag nochmal einzusteigen. Damit die restlichen Ultraläufer
immer on Tour blieben, gab ich mein Oregon 600 an Bernd Kutz ab. Peter Ossendorf und der Laufpirart Harry waren wieder eingestiegen. Die beiden stiegen an beiden Tagen mehrmals aus- und ein. Top!
Ohne Pause waren Bernd Kutz, Alexander Grützner und Holger Kanisch dabei. Ich war schon neidisch, aber tat im Citroen sitzend als Navigator mein bestes.  Auf Racemap verfolgte ich die Position der Ultra's, was tadellos fuktionierte und sich zudem als zusätzliche Sicherungsmaßnahme erwies.
Im letzten Drittel war die letzte Läufergruppe plötzlich getrennt. Bernd rief mich an und bat um Hilfestellung. Racemap zeigte uns seine Position an und so war es kein Problem die Gruppe wieder auf die Strecke zu bringen. Auch Ulf Kühne und Peter Ossendorf waren nun wieder auf der Strecke.

Mich machte das Nichtlaufen wahnsinnig, aber was solls, ich hatte mich gegenüber 2014 gesteigert! Als Organisatior war ich glücklich das der Ultralauf reibungslos funktionierte. Kein Ärger mit den Anwohnern oder mit der Polizei. Die Helfer um Tourfrau Diana machten einen super Job. Die vergeschriebenen VP's wurden fehlerfrei abgefahren. Mein Bruder
Malermeister Roland fuhr den Citroen-Tour-Bus. In den Fahrpausen machte er den Getränkeversorger und Teeausgießer.
So langsam kam Prag immer näher und ich versuchte meine Oberschenkel noch einmal zum ultralaufen zu űberreden. Für das Gruppenlauftempo reichte es nicht mehr, aber etwas zeitliche Hoffnung blieb mir noch.
Mit meinem PT Reiner beriet ich mich. Reiner meinte: "Denke an Deinen Körper und erzwinge nichts. Und vergiss auch deine nächsten Ziele in diesem Jahr nicht." Und selbst Motivator Leonie gab ihm Recht. Was soll man da anderes machen, als den beiden rechtzugeben.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich für die Schönheit der Moldau keine Augen mehr. Nur für die Leistung meines Teams und der noch immer laufenden Ultra's. "Top Leistung", dachte ich und begann zu überlegen wem ich danken möchte...

Platz 1 geht an Mausi. Ehefrau, Teampartner und Zeugwart in Einem. Das ist die wichtigste und größte Unterstützung. Meinen Kindern Linda und Leonie fűr die mentale Unterstützung.

Danken möchte ich meinem Personal Trainer Reiner Mehlhorn fűr die Trainingspläne und für die Hilfe bei der Orga. Das Ausarbeiten der VP war sicher eine zeitaufwändige Arbeit. Ulf Kühne der Streckenplaner - super Typ, super Planer!

Dem Laufpirat Harry und seiner Frau Diana fűr das Abfahren der VP's in der Vorbereitungszeit. Jens Kafka und Kahnalege Uwe B., den Radfahrern und Fotografen.

Meinem Bruder Roland und Laufpiratenfrau Diana die Fahrer der Begleitfahrzeuge. Manuel Hentschke und Ihrer Mitarbeiterin Christina von der Physio-& Gesundheitszentrum Dresden West in Gompitz fűr die Massagen in Usti.

Großer Dank an meine Sponsoren fűr die Bereitstellung ihrer Produkte fűr den Start/Zielbeutel. Augustus Rex fűr die Trinkflasche. Jörg Lange von Werbe-Lange Heidenau fűr den Zollstock und Bereitstellung meiner Website. Citroen-Dresden.de fűr den Tourbus. GU-Versand.de für die Gel-Versorgung. Dem Globetrotter-Store Dresden für die Ausleihe der Garmin-Geräte. Dem Laufsportladen Dresden fűr die perfekte Beratung zum Ultralauf-Schuhkauf. Jan Fitschen fűr das Läufermüsli. www.hartmut-kohn.de/sponsoren-2015-1.html

Auch wenn ich am Ende nicht durchgelaufen bin, sehe ich den Lauf wieder als vollen Erfolg. Für unser Spendenziel die Deutsche Knochenmarkspende konnten wir knapp 300 € erlaufen. Die anderen Teilnehmer waren allesamt zufrieden mit ihren Leistungen und alle kehren mit vielen Eindrücken von der wunderschönen Laufstrecke in die Heimat zurück.

Zum Schluß bleibt nur eins zu sagen: Auf ein Neues im kommenden Jahr. Dann geht es von Dresden nach Hof. Wieder in den sächsischen Winterschulferien im Februar und wieder nach dem Motto "der Weg ist das Ziel".

www.hartmut-kohn.de