Hartmuts Eindrücke vom Ultralauf Dresden - Hof

Die heiße Phase begann 1 Woche vor dem Laufbeginn. Im Prinzip war da bereits alles durchorganisiert. Zimmer, Unterwegs-Verpflegung, Abendessen, Besenwagen, Laufroute, Verpflegungspunkte - das Problem: genau in dieser Zeit wurden drei Läufer krank. Das erforderte eine Aktualisierung der Übernachtungen, Verpflegungslisten und Autoplanung, usw.

In der Nacht vom 10.2 zum 11.2. habe ich sehr, sehr unruhig geschlafen. Ich habe am Donnerstagvormittag den ersten Leihwagen (9-Sitzer), anschließend die bestellte Ware beim Rewe-Markt in Klotzsche abgeholt. Kurz zum Kaffeetrinken zu Mausi nach Hause, anschließend vom heimischen Keller das restliche Equipment in den Besenwagen verstaut.
Das Packen meiner persönlichen Sport-Sachen ging zügig vonstatten. Dann war es auch schon früher Abend am Donnerstag, aber meine To-do-Liste war noch nicht abgearbeitet...
Also erstmal den Tracker von Racemap für das Livetracking benennen, damit unsere Fans den gewünschten Läufer zuordnen können und die Garmin-Leihgeräte für die Läufer Navigation konfigurieren.
Am späten Abend kam Helfer Roland (mein Bruder) mit den zwei großen Teekanistern und dem Fahrradträger an. Helfer Torsten brachte das Leihfahrrad vom Drahtesel (Wittichenau) für die Fahrradbegleiterin Kerstin noch zu mir.
Gegen 22.30 Uhr bin ich zu Bett - Pünktlich 03.00 Uhr klingelte der Wecker. Teekochen (20 Liter) und das Verstauen des Leihrades standen noch auf dem Plan.

5:15 Uhr war die Abreise zum Start in Pesterwitz geplant. Um diese Uhrzeit bauten wir aber noch am Fahrradträger...
Nach kurzer Beratung das defekte Teil in Klotzsche gelassen. Somit hatten wir keine Radbegleitung durch Kerstin. Die geplante Ankunftszeit um 5.30 Uhr in Pesterwitz war nicht mehr zu schaffen. Das ging ja gut los... Mein Puls stieg! Auch weil das Licht beim Leihwagen nicht gleich wunschgemäß funktionierte.
Um 5.56 Uhr kam ich mit meiner Crew erst am Start an. Mein Ruhepuls war jetzt irgendwo im Himmel. Kurzes Pressefoto und Turbointerview. Noch schnell die Racemap-Tracker für das Livetracking und die Garmin-Leihgeräte vom Globetrotter-Center Dresden verteilt. Robby Clemens, der Weltrun-Läufer, ließ es sich nicht nehmen die ersten Meter mitzulaufen. Bevor er auf große Tour geht: "Vom Nordpol zum Südpol zu Fuß".

Gegen 6.38 Uhr endlich scharfer Start. Mein Puls war nun endlich im grünen Bereich und mein Lächeln kam wieder.
Radbegleiterin Kerstin Licht-Schwieck musste nun "Laufen"... Auch sie lächelte! Jens Kafka konnte ich als Profi-Fotograf auf der ersten Etappe gewinnen. Toller Einsatz, schöne Bilder!!!

Der Jakobsweg war früh noch sehr, sehr glatt in Pesterwitz. Dadurch konnten wir es langsam angehen. Die neuen Gesichter in der Gruppe um Falk Krumm, Pirmin Braun, Andreas Krause, Thomas Spannaus stellten sich in kleinen Gesprächen vor. Falk und Pirmin kannte ich bis dahin nur über Facebook. Andreas lernte ich beim Städtelauf Plauen-Hof kennen. Ab jetzt hatten wir jedenfalls genug Zeit uns kennenzulernen.
Der 1. Verpflegungspunkt wurde zügig erreicht. Mausi, die Mutti der Ultralaufverpflegung, verteilte Tee, Kuchen, Schnittchen und Co. Schnelles Foto und weiter Richtung Chemnitz.

Kilometer und Zeit, darüber machte ich mir keine Gedanken - meine innere Uhr schlug im Ultra-Sportmodus, das reicht!
Ein befreundeter Dienstleister meiner Arbeitsstelle, dem Restaurant Kahnaletto, kreuzte auch noch die Laufroute. Beweis-Foto gemacht und ab zum nächsten VP. Nach dem 3./4. VP meinte meine Tochter Leonie "Ihr seht aber noch frisch aus". Katrin Jeschke, unsere Ironwoman, und Kerstin Licht-Schwieck sorgten für die weibliche Eleganz. Kerstin stieg nach ca. 53 km mit einem Lächeln aus, um sich Energie für die nächsten Tage aufzuheben.

Nach 70 km wurde es langsam dunkel. Ich bewegte mich da im hinteren Drittel des Läuferfeldes. Nach dem letzten VP der 1. Etappe war ich mit Thomas Spannaus bester von Hinten. Jens der Fotograf lenkte uns sicher durch den Stadtwald von Chemnitz  zum 1. Etappenziel. Im Stadtgebiet machten wir dann noch einen unfreiwilligen Stadtrundgang und trafen dabei die unterschiedlichsten Gruppierungen. Aber alles blieb friedlich! Sport verbindet halt.
Endlich in der DJH Chemnitz angekommen, war ich biss`l fertsch. Zum Glück war die Physiotherapie schon da und das Essen angerichtet. Norman Heidenbluth von der gleichnamigen Physiotherapie pflegte meinen Rücken und im Anschluss ging es direkt an den Essenstisch. Das allerdings handelte mir Strafpunkte in der "Persönlichkeitswertung" ein.
In den nächsten Tagen konnte ich mir den Satz anhören: "Warst Du duschen?". Nunja, ich war - aber Essen geht manchmal eben vor.

Nach kurzer Nacht klingelte um 4.15 Uhr der Wecker. Um 5.00 Uhr standen schon meine Kinder auf der Matte - Ohne vorherigen elterlichen Weckruf. Da freute sich der sportliche Papa. Gegen 6.40 Uhr erfolgte der Start zur 2. Etappe über 87 km. Ich fühlte mich nicht so gut, die Beine waren nicht so geschmeidig.
Oberlauterbach hieß das Tagesziel. Frühzeitig verlor ich den Kontakt zur Gruppe. Von Beginn an war ich Bester von hinten.
Das kratzte ganz schön an der Seele. Töchterchen Leonie war auch etwas traurig. Schließlich war es ihr Papa, der ganz hinten lief. Das bergige Profil begann ziemlich heftig. All dies sorgte dafür, dass ich nicht so in Tritt kam. Meine Gedanken: Ich laufe die 2. Etappe "Soweit dich deine Beine heute tragen". Der Sonntag von Oberlauterbach nach Hof stand ja noch an. Und da wollte ich in jedem Fall dabei sein.

Kurz vor dem 2. VP postete ich: "Der Motor läuft, aber das Öl ist alle". Personal Trainer und sportlicher Leiter Reiner Mehlhorn sagte mir am 2. VP: "Hartmut, du läufst heute nicht weiter." Okay, ein DNF muss nicht unbedingt das Ende sein.
Bis nachmittags fuhr ich so in einem der VP-Autos mit.
Abends dann, ich war schon etwas früher am Tagesziel da - wegen des Empfangs des Caterings und der Zimmerschlüssel für die Herberge im NUZ - Riesenschock für alle. Falk Krumm, der bis dato super gekämpft hatte, wurde die Treppe hoch gestützt. Norman Heidenbluth leistete Erste physiotherapeutische Hilfe. Kerstin holte Essen und Trinken ins Zimmer. So kam Falk wieder zu Kräften, wollte aber trotzdem gleich nach Hause. Beim Abschied hatten alle Tränen in den Augen. Sein Kampf hat mich stark beeindruckt. An dieser Stelle möchte ich nochmal sagen: Riesenrespekt Falk!

Nach etwas längerer Nacht ging es kurz nach 5.00 Uhr zum Frühstück. Mausi, Torsten, Kerstin und die anderen Helfer waren seit 4.30 Uhr am Zubereiten des Frühstücks. Ich überlegte noch, wann ich zur 3. Etappe einsteige. Dann vor der Tür, standen sie, die Ultras: Thommy, Jo, Harry, Michael, Janko, Mario, Thomas, Kerstin, Henry und Andre.
Die Helfer waren noch fleißig am Packen und dem Nachbereiten des Frühstücks. Torsten und Mausi kochten zudem Tee für unterwegs. Und ich war noch am Grübeln. Der heilige Jakob gab mir schließlich einen kräftigen Schubs und ich rannte gleich mit. Bei leicht regnerischem Wetter ging es los. Die Laufstrecke kannte ich im Detail vom Probelauf im Dezember.
Mein Motto: Beine locker bekommen, laufen, laufen, einfach Richtung Hof. Der Druck der vorangegangenen Tage war weg. Auf die 3 Helfer-Teams konnte ich mich blind verlassen. Auf der 3. Etappe war so "Laufen Pur" angesagt. Treppenläufer Thommy kam zu mir und sagte: "Hartmut, Gruppen-Tempo halten... " Das lockte mich aus der Reserve und der Turbo wurde gezündet. Man spürte den Drang der Teilnehmer nach Hof zu kommen.

Mein Motor lief, Ölstand egal. Das Tempo war höher, als bei den vorangegangenen Etappen. Gut so, wir wollten alle heim. Bei den Helfern machten sich auch die Anstrengungen bemerkbar. Schließlich waren diese insgesamt länger auf den Füssen. Während wir gelaufen sind, hatten diese zu tun: Kaffee kochen, Schnittchen schmieren, Obst schneiden. Die Liste war noch lang. Norman Heidenbluth von der Physiotherapie Heidenbluth war ständig präsent zur Not-Versorgung an der Strecke.
Am Morgen kam dann die Sonne wieder raus. Hurra, das steigerte die gute Laune!
Durch Thommy auf Tempo-Kurs gebracht kam ich an einigen der VPs sogar als Erster an. Darüber war  Töchterchen/Sportlerin Leonie mehr als glücklich. Auch wenn es kein Wettkampf war...
Am 2./3. Tag machte Tochter Linda zahlreiche Fotos. Schöne individuelle Aufnahmen sind so entstanden. Dem Mittag konnte ich sogar etwas Positives abgewinnen. So weit war es ja nicht mehr. Im Hotel Strauss rief ich gegen 13.30 Uhr an, dass die Küche das Abendbrot nicht erst 20.30 Uhr machen muss. Am vorletzten VP musste ich physiotherapeutische Hilfe von Norman in Anspruch nehmen. Dabei war ich dem Himmel sehr nah, zumindest hörte ich die "Engel singen".
Egal, egal wir waren ja bald da.
Nach knapp 9. Std liefen wir den letzten Berg hoch. Herrlich die letzten 300 Meter. Gemeinsam lief die Ultralauf-Gruppe ins Ziel. Am Stein des Jakobswegs an der Marienkirche Fototermin mit Tochter Linda.

Ich persönlich hatte noch einen Punkt offen. Den Stempel in den Pilgerpass wollte ich noch haben. Zweimal war ich ja schon mit Muskelkraft in Hof gewesen. Aber die Stempelstelle hatte da immer zu. Nach einem kurzen Stoßgebet machte ich mich dann auf den Weg zum Pfarramt und ich hatte Glück. Ich bekam meinen Pilger-Stempel. Normalerweise bekommt man beim Zieleinlauf seine Glücksgefühle. Diese bekam ich erst im Pfarramt.

Nach dem Abendbrot kamen Vertreterinnen des HoBS e.V. und der Oberbürgermeister von Hof, Herr Dr. Fichtner, zu uns.
Die Vertreter des HoBS (die 1.Vorsitzende und die Geschäftsführerin) stellten sich und die Arbeit ihres Vereins vor.
Als Sportler wissen wir wie wichtig die Unterstützung ist, um seine Ziele zu erreichen. Die Sportler des HoBs möchten 2017 an den Special Olympics in Hof teilnehmen. Wer dies unterstützen möchte, kann dies im Rahmen einer Spende tun.
Die Kontodaten des HoBs findet man auf meiner Website http://www.hartmut-kohn.de/spendenziel-2016.html
Dr. Fichtner ist nicht nur OB, sondern auch Marathonläufer und Triathlet. Seinem Grußwort lauschten die Teilnehmer. Es war ja auch das erste Mal, dass uns Ultraläufer ein Oberbürgermeister begrüßt.

Meinen/unseren Fans und Unterstützern möchte ich danken. Beginnen möchte ich bei meiner Frau. Mausi hat die Sache mit vollstem Einsatz unterstützt. Danke  Mausi! (Ps.: Ich hänge nun auch wieder mal Wäsche auf.)
Reiner Mehlhorn hat mir meine Trainingspläne geschrieben, die mich erfolgreich ins Ziel gebracht haben. Reiner hat zudem die Arbeit im Org. Stab unterstützt.
Ulf Kühne von east-run.de war federführend beim Zeichnen der Strecke auf Gpsies. Torsten Eggerichs war eine der größten Stützen. Er fuhr mit mir sämtliche VP‘s der 2./3. Etappe im November ab, fuhr im Dezember mich, Kerstin Licht-Schwieck und Uwe Anger zum Probelauf nach Oberlauterbach und holte uns im Ziel auch wieder ab.
Während des Ultralaufs steuerte er das 2. VP-Auto.
Großen Dank an meine beiden Töchter. Dafür, dass sie mir in der Vorbereitungszeit so tapfer zur Seite gestanden haben. Dafür, dass sie 4 Ferientage geopfert haben. Linda für die schönen Fotos. Leonie für das "Fahnenschwenken" vor allen VP´s. Das war eine schöne, zusätzliche Motivation. Für Alle.
Teilnehmer Michael Kohlrautz überließ uns kostenfrei seinen Transporter als 3. VP-Auto. Georg Schenk Geschäftsführer der Firma August Rex sponserte jedem Läufer eine Mütze aus dem Fachhandel. Post Modern stellte wieder eine Wunsch-Briefmarke her. Diese ist bei mir erhältlich.
Die Dresdner Brauerei Feldschlösschen unterstützte  uns mit Produkten aus Ihrem Hause. Michael Schiewack von der Ergotherapie Schiewack, der auch mit seinem jährlichen Inklusionslauf in Kamenz ähnliche Ziele hat, sponserte jedem Teilnehmer ein T-Shirt zum Lauf.  Im Laufsportladen Dresden bekam ich die perfekte Beratung zu meinen Laufschuhen.
Die Citroën Niederlassung Dresden-Prohlis sponserte einem der Helfer ein Auto seiner Wahl für ein Wochenende.
My Goal gab mir viele Tipps für und um den Ultralauf. Norman Heidenbluth, unser Ultralauf-Physio hat ganze Arbeit geleistet. Für die Vorbereitung und Bewerbung dieses Laufs waren auch die Ideen und Umsetzungen von Werbe-Lange aus Heidenau sehr wichtig.

Mein Arbeitgeber, das Restaurant Kahnaletto auf dem Theaterkahn stellte seine Räumlichkeiten für die Meetings zur Verfügung. Meinen Urlaub genehmigte mein Chef, Herr Schellnock, frühzeitig. Das war für die Planungen sehr wichtig.
Olaf Grunwald, Mitarbeiter im Globetrotter Center Dresden, modifizierte mir in liebevoller Kleinarbeit ein paar Gamaschen.
Toralf Schuhmann überarbeite mir meinen Laufrucksack nach meinen Wünschen. GU, der Lieferant und Hersteller von Energie-Erzeugnissen, stellte uns Produkte aus seinem Hause zur Verfügung. Drahtesel Wittichenau sponserte den 9-Sitzer und jedem Läufer eine Sonnenbrille.
Ja und ganz, ganz wichtig : Mein Brüderchen und seines Zeichens Malermeister, hat extra für mich und den Ultralauf einen Auftrag sitzen lassen, um als Kraftfahrer und Helfer dabei zu sein.
Meinen persönlichen Dank möchte ich noch Werner Horn vom Europamarathon Verein in Gőrlitz aussprechen für die Organisation der Teebehälter.
 
Bis 2017: Das heißt es vielleicht: "Auf den Spuren der Wettiner "