Ines, Christian und Hartmut bezwingen den Mount Everest

2016 bin ich in letzter Minute für einen Verletzten in eine Dreier-Seilschaft beim Mount Everest Treppenmarathon eingesprungen. Dreier-Seilschaft ist eine schöne Alternative zum Alleingang. Man braucht nur einen freien Tag und muss "nur" 33x die Treppe hoch und runter. Hatte ich im vergangenen Jahr dienstplanbedingt mein Soll am Stück erledigt, wollte ich es in diesem Jahr ruhiger angehen. Das heißt, nicht am Stück, sondern mit Lauf-Pausen.

Im Spätsommer postete ich auf Facebook meine Suche nach zwei Mitläufern. Christian Sandkaulen sagte zeitnah zu und während meiner Tour von Poznan nach Vilnius schrieb mich Ines Kupka an, dass sie auch Ambitionen hat mitzumachen. Damit war das Team Kohn komplett. Das Treppentraining absolvierter jeder für sich. Reiner Mehlhorn mein Personal Trainer baute das in meinen Trainingsplan ein.

Dann war er da, der Tag der Treppe. Jeder war aufgeregt. Ich war am 22.4. ich noch arbeiten, aber zum Glück nur bis 20.30 Uhr. Mausi holte mich vom Kahnaletto ab und fuhr mich nach Radebeul. Die Zeit bis zum Briefing um 23.00 Uhr nutze ich mit Relaxen und Aufbau unserer Team-Ecke im Teilnehmer-Zelt. Und um mich voll und ganz auf das Treppenlaufen zu konzentrieren, beschloss ich mein Handy auszumachen. Die zivile Welt sollte ohne mich auskommen.

Die Dame im Team, Ines eröffnete um 0.00 Uhr das Rennen für uns. Christian startete als Zweiter und ich als Dritter. Meine erste Runde lies ich ruhig angehen. Meine Garmin Uhr hatte ich zwar um, aber bewusst durch die Jacke überdeckt. Das Motto war „Ankommen“ und Gefühl sollte das Tempo bestimmen. Durch meine 2 Alleingänge von 2013/2015 wusste ich, dass es gut ist nicht zu schnell loszulaufen, da sonst hinten die Kraft nicht ausreicht.

Von 0.00 Uhr bis 5.00 Uhr blieb ich in den Laufpausen stehen. So wollte ich meine biologische Uhr im Schach halten. Von 5.00 - 8.00 Uhr setze ich mich auf einen Stuhl und gönnte mir einige Sekunden Schlaf durch Autogenes Training. Das ich nicht verschlief dafür sorgte Supporterin Katrin Jeschke. Mit Stoppuhr und Liste notierte sie sich die jeweiligen Zwischenzeiten und wusste so, wann ihre Läufer am Start sein mussten. Perfekt, so konnte ich mich komplett fallen lassen. Raum, Zeit, Welt alles außerhalb der Spitzhaustreppe existierten quasi nicht für mich.

In den Pausen habe ich mich mit Gel´s von GU und Reiswaffeln verpflegt. Am Nachmittag gönnte ich mir - passend zum Tag des deutschen Bieres - ein großes Stück vom super leckeren Bierschinken im Versorgungs-Zelt. In meine Wasserflasche gab ich Drink Taps Wassermelone von GU zu.  Cola und Kaffee habe ich zusätzlich zugetrunken. Gegen die Kälte habe ich mich mit einem Poncho von Frilufts geschützt. Bereitgestellt vom Globetrotter Store Dresden.

Am Mittag kam Leonie zu ihrem Start in der 50er Staffel vom Quickfit Team an.  Kurz geplaudert und Tochter/Vater Foto gemacht. Meiner Tochter sagte ich vor ihrer Runde: "wenn Du 8.00 Miunten läufst, dann gehen wir essen."  Am Ende kam eine 8.19 raus. (Essen waren wir nach dem Lauf trotzdem -  als Ansporn).

Mit dem Wetter hatte ich keine Probleme. Für die einen ist es Regen und Hagel - für mich ist es Ultra.

Das meine Rundenzeiten (außer die letzte Runde) um die 8 Minuten lagen, konnte ich gar nicht glauben. Im Training schaffte ich um die 9 Minuten + X. Gelegentlich schaute ich mir im Bastei-Wohnwagen vom Baer-Service die Platzierungen an. Zu Anfang waren wir auf Platz 17, aber nach und nach rutschten wir weiter nach vorn. Auch wenn mir das gar nicht wichtig war, schielt das eine Auge eben doch ab und zu auf den Monitor.

Ines und Christian liefen Super Zeiten und waren jederzeit topfit. Die Erkenntnis, dass wir es in der Zeit von 16 Stunden schaffen, war uns nach dem Mittag klar. Zu frühzeitige Emotionen wollte ich mir aber noch nicht zugestehen. Denn der Lauftag war noch lang. Katrin Jeschke pendelte ständig zwischen dem Start und dem Zelt der Teilnehmer. Ein nettes Wort zwischendurch gab es auch immer und die Zeit und uns hatte sie ständig im Auge. Zeitweise unterstütze sie Frank Kaltofen dabei. Durch die gute Perspektive kam ich immer besser ins Rennen.

Knie und Muskeln machten super mit. Keine Probleme, keine Beschwerden und die Müdigkeit hielt sich auch in Grenzen. So konnte ich voll konzentriert meine Runden absolvieren und die Kameraden vom THW und vom DRK grüßen, die das Event absicherten. Viele dieser Kameraden machen das ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Danke dafür!

Der Count Down lief unaufhörlich weiter. Ines, Christian und ich absolvierten kontinuierlich ihre Runden. Meine vorletzte Runde lief ich zu Ehren meiner Kollegen vom Kahnaletto in meiner Kochjacke. Die 100. Runde liefen wir drei dann jeder in der Kochuniform. Ines wollte was „frauliches“, also bekam sie eine in Rosa - für Christinan hatte ich eine in Blau geordert.

Nach 14:26:56 Stunden ging für das Team Kohn das Rennen erfolgreich zu Ende. In der Familie der Extrem-Treppen-Läufer fühlte ich mich sehr wohl. Man kennt sich ja. Thommy, Peter, Jens, Ingo, Daniela... U.a waren Kerstin Licht-Schwieck, der Laufpirat als Supporter da. Torsten Eggerichs hatte sich eine funktionierende Aufbewahrungsmöglichkeit für die Trinkbecher überlegt. So konnte dem Einweg-System Einhalt geboten worden. Mich hat es überzeugt. Zusätzlich mit-organisierte er die 50er Staffel der Refugee. Reiner Mehlhorn mein Trainer lief auch mit und rief mir im Vorbeilaufen ein Lob zu. Ich fühlte mich ausgezeichnet an diesem Tag.

Gründe woran es gelegen hat? Es war die Summe des Ganzen: gutes Training zu jeder Tages/Nachtzeit, das Verständnis meiner Familie/Arbeit, ein tolles Dreier-Team, die Zusammenarbeit mit meinen Sponsoren, der Support von Katrin, die gute Bergluft am sächsischen Mt. Everest, die perfekte Orga von Ulf Kühne und Peter Heilsberg...

2018 bin ich wieder mit dabei.  - www.hartmut-kohn.de